Adam, wo bist du?

Die Künstlerin Ilana Lewitan zeigt ab Dienstag, 16. Juni 2020 im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst die großformatige Installation „Adam, wo bist Du?“.

Auf 400 Quadratmetern erkundet Ilana Lewitan in verschiedenen Stationen das Verhältnis von individueller Identität zu Zuschreibungen durch die Umwelt. Wer bin ich? In welche Schemen ordnet mich meine Umwelt ein? Am Beispiel vornehmlich jüdischer Biografien führt die Installation vor, welche wirkmächtigen, häufig gewalttätigen Potentiale Zuschreibungen von Menschen an Menschen enthalten. Überragt wird die Installation durch ein überdimensionales Kreuz als Symbol der passio , des menschlichen Leidens. So steht im Zentrum der Installation die Frage nach der Menschlichkeit des Menschen: „Adam, wo bist Du?“.

Fotos: Wolf-Dieter Böttcher

1 / 16
Adam, wo bist du?
2 / 16
Adam, wo bist du?
3 / 16
Adam, wo bist du?
4 / 16
Adam, wo bist du?
5 / 16
Adam, wo bist du?
6 / 16
Adam, wo bist du?
7 / 16
Adam, wo bist du?
8 / 16
Adam, wo bist du?
9 / 16
Adam, wo bist du?
10 / 16
Adam, wo bist du?
11 / 16
Adam, wo bist du?
12 / 16
Adam, wo bist du?
13 / 16
Adam, wo bist du?
14 / 16
Adam, wo bist du?
15 / 16
Adam, wo bist du?
16 / 16
Adam, wo bist du?

Eine Kunstinstallation von Ilana Lewitan

Die Stationen
Die Installation gliedert sich in verschiedene Abteilungen, die die Besucher*innen durchschreiten. Als Präambel wirkt ein fiktives Verhaftungsprotokoll aus dem Dritten Reich: Verhaftet wurde der Jude Jeshua bzw. Jesus: kein Religionsgründer, kein Schriftgelehrter, geboren in Nazareth, lebt er als Staatenloser in Deutschland, nur ein – Jude. Das Protokoll wirft die Frage auf: Was wäre mit Jesus in Nazideutschland geschehen? Filmische Sequenzen führen von historischen „Zu-Schreibungen“ mit der mechanischen Schreibmaschine in die Gegenwart der digitalen Kommunikationskanäle. Hör- und Sehstationen zeigen Interviews mit Menschen mehrheitlich jüdischer Abstammung, die Zuschreibungen von außen als besondere biographische Herausforderungen, Bürden oder gar Katastrophen erlebt haben – von Max Mannheimer (1920-2016) über Charlotte Knobloch (*1932) bis hin zum Münchner Rabbiner Brandt (*1927). Eine weitere Station lässt die Besucherin und den Besucher selbst nachvollziehen, wie banale Einordnungen der willkürlichen Ausgrenzung Tür und Tor öffnen. Der Weg durch die Installation führt schließlich zum großformatigen Fluchtpunkt der Inszenierung, in dem die Fragen kulminieren, die die Installation aufwirft.

Die Installation im Ägyptischen Museum
Die Installation greift auch aus dem Sonderausstellungssaal hinaus in die Dauerausstellung des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst. Einzelne Kunstobjekte dringen in die Vitrinen zwischen die altägyptischen Formate ein und treten in Dialog mit der jahrtausendealten Kunst. Jüdische Geschichte und das Alte Ägypten sind durch Altes und Neues Testament vielfach miteinander verknüpft. Moses etwa führt sein Volk aus dem Land Pharaos. Das Kreuz Christi – Zeichen für das Martyrium, aber auch für die Überwindung des Todes – ist ikonographisch verwandt mit dem altägyptischen Anch-Zeichen, Hieroglyphe für das Leben. Die koptischen Urchristen blendeten dementsprechend Kreuz und Anch-Zeichen übereinander.

Installation auf kontaminiertem Boden
Auch ein Bezug der jüngeren Geschichte verleiht der Installation Dringlichkeit für das Ägyptische Museum: Am heutigen Standort des Museums plante Hitler den Bau der Reichskanzlei. Erste Betonfundamente für Bunkeranlagen waren bereits während des Krieges fertiggestellt worden und mussten vor dem Neubau des Museums aufwändig gesprengt werden – so steht das Museum gleichsam auf historisch belastetem Boden.

Die Künstlerin
Ilana Lewitan wurde 1961 in München geboren. Dort studierte sie von 1980-1983 Innenarchitektur und von 1982-1985 Architektur an der TU München. Von 1988-1992 arbeitete sie als Architektin und freie Illustratorin in New York, u.a. bei Richard Meier Architects & Partners und Dakota Jackson. Anschließend studierte sie bei Hans Daucher und Markus Lüpertz Malerei. Seit 1995 ist sie freischaffende Künstlerin. Seit 2012 ist sie auch als Dozentin tätig. Ilana Lewitan lebt und arbeitet in München.

 Weitere Informationen:

Staatliches Museum Ägyptischer Kunst

Rundgang

Zur Presse

 

Videos